Ein Tisch voller Geschichten – Fest der Kulturen im GeWi-Profil Klassenstufe 9

Im Rah­men unseres gesellschaftswis­senschaftlichen Pro­fils zum The­ma „Migra­tion, Kul­tur und Heimat“ wurde unser Klassen­z­im­mer für einen Nach­mit­tag zu einem Ort, an dem Vielfalt nicht nur besprochen, son­dern gelebt wurde.
Statt Präsen­ta­tio­nen oder Arbeits­blät­tern stand dies­mal etwas anderes im Mit­telpunkt: ein gemein­sames Festessen, zu dem jede und jed­er ein Gericht aus der eige­nen Kul­tur oder famil­iären Tra­di­tion mit­brachte.
Schon beim Betreten des Raumes wurde klar, dass es sich um etwas Beson­deres han­delte. Der Duft ver­schieden­ster Speisen lag in der Luft, Far­ben und For­men mis­cht­en sich zu einem beein­druck­enden Gesamt­bild. Neben ver­traut­en Klas­sik­ern wie Erd­beerkuchen, Kartof­fel­salat oder Brot mit Käse und But­ter fan­den sich auch viele Gerichte, die für einige von uns ganz neu waren: knus­prige Lumpia, würzige Kibbeh Ksabe, cremiger Hum­mus oder Bata­ta Har­ra. Auch veg­ane Klöpse, gefüllte Wein­blät­ter (Dol­ma), Bli­n­is, Oladush­ki (Eierkuchen) und frit­tierte Reis­bällchen zeigten, wie vielfältig Esskul­turen sein kön­nen. Selb­st ein­fache Dinge wie Gemüse mit Brot oder mexikanis­che Chips wur­den Teil dieses bun­ten Buf­fets.
Doch es ging an diesem Tag um weit mehr als nur ums Essen. Hin­ter jedem Gericht stand eine Geschichte – von Herkun­ft, Fam­i­lie, Erin­nerun­gen und Iden­tität. Während wir gemein­sam aßen, kamen wir ins Gespräch: darüber, woher die Rezepte stam­men, wer sie zubere­it­et hat und welche Bedeu­tung sie für die jew­eilige Per­son haben. Plöt­zlich wurde aus einem ein­fachen Gericht ein Stück Heimat.
Ger­ade in ein­er Zeit, in der The­men wie Migra­tion und kul­turelle Unter­schiede oft kon­tro­vers disku­tiert wer­den, hat dieses Fest gezeigt, wie verbindend Vielfalt sein kann. Es hat uns daran erin­nert, dass „Heimat“ für jeden etwas anderes bedeutet – und dass genau darin eine große Stärke liegt. Nie­mand musste sich erk­lären oder recht­fer­ti­gen; stattdessen ent­stand ein Raum der Offen­heit, Neugi­er und gegen­seit­i­gen Wertschätzung.
Beson­ders berührend war zu sehen, wie selb­stver­ständlich wir alle miteinan­der geteilt haben – nicht nur das Essen, son­dern auch unsere Geschicht­en. Unter­schiede wur­den nicht als tren­nend wahrgenom­men, son­dern als Bere­icherung. Für viele war es eine neue Erfahrung, sich auf unbekan­nte Geschmäck­er einzu­lassen und gle­ichzeit­ig ein Stück von sich selb­st zu zeigen. Dieses Festessen war mehr als eine unter­richtliche Ver­anstal­tung. Es war ein gelebtes Beispiel für Inklu­sion und Diver­sität – und vielle­icht auch ein klein­er Schritt hin zu mehr Ver­ständ­nis füreinan­der. Denn manch­mal braucht es gar nicht viele Worte, um sich näherzukom­men. Manch­mal reicht ein gemein­samer Tisch.

Lil­ly Wern­er (Klasse 9)