Die Abiturprüfungen 2026 nähern sich, und erstmals steht in diesem Jahr der Roman „Heimsuchung“ von der Booker-Preisträgerin Jenny Erpenbeck auf der Liste der Pflichtlektüren. Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945, angesiedelt an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, hat dies zum Anlass genommen, einen Workshop für Schülerinnen und Schüler zu gestalten. Das Exilarchiv versteht sich dabei als „Kampfmittel gegen das sich von neuem erfrechende Nazitum“ und engagiert sich in seiner kulturellen Bildungsarbeit gegen Antisemitismus sowie gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Im Mittelpunkt des Workshops standen die Themen Heimatverlust und Exil, die in Erpenbecks Roman behandelt werden. Der Leistungskurs Deutsch 12 hatte die Gelegenheit, an diesem Workshop teilzunehmen, der von Jesko Bender in der DNB Leipzig geleitet wurde. Die Schülerinnen und Schüler tauschten sich mit Herrn Bender über ihre Leseerfahrungen und Eindrücke aus und vertieften sich in Gruppenarbeit intensiv in verschiedene Textauszüge aus „Heimsuchung“. Dabei wurden auch Originalobjekte aus der Sammlung des Deutschen Exilarchivs einbezogen. Beispielsweise wurden Listen jüdischer Auswanderer betrachtet, die gezwungen waren, vor ihrer Ausreise ihr streng reguliertes Eigentum aufzulisten, sowie ein „Judenstern“ aus dem besetzten Frankreich, den jüdische Menschen an ihrer Kleidung tragen mussten. Zudem wurde eine Packung Puddingpulver gezeigt, die zum Schmuggeln regimekritischer Texte genutzt wurde.
Bereits der bewusst mehrdeutig gewählte Romantitel „Heimsuchung“ gibt Anlass zu unterschiedlichen Deutungsansätzen. Der neue Zugang über die Objekte ermöglichte nun ein weiter vertieftes Verständnis der Texte und verdeutlichte die Vielschichtigkeit der einzelnen Kapitel des Romans.
Dr. Nadja Braun