Demokratie hautnah – Unsere 9. Klassen zu Gast im Sächsischen Landtag

Wie entste­ht eigentlich ein Gesetz? Und wie fühlt es sich an, selb­st poli­tis­che Entschei­dun­gen zu tre­f­fen? Diesen Fra­gen gin­gen unsere Schü­lerin­nen und Schüler der 9. Klassen am 28.10.2026 bei einem Besuch im Säch­sis­chen Land­tag in Dres­den auf den Grund. Statt Poli­tik nur the­o­retisch im Unter­richt zu behan­deln, schlüpften sie für vier Stun­den selb­st in die Rolle von Land­tagsab­ge­ord­neten.

Im Mit­telpunkt des Plan­spiels „Willkom­men in der Leg­isla­tive!“ stand ein fik­tives Geset­zge­bungsvorhaben, das unmit­tel­bar an die Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfte: Soll an weit­er­führen­den säch­sis­chen Schulen das Fach „Prak­tis­che Lebens­führung“ verpflich­t­end einge­führt wer­den?

Zu Beginn erhiel­ten die Schü­lerin­nen und Schüler Rol­lenkarten, mit denen sie unter­schiedlichen Frak­tio­nen und poli­tis­chen Posi­tio­nen zuge­ord­net wur­den. Anschließend begann die eigentliche par­la­men­tarische Arbeit: In Frak­tion­ssitzun­gen und Arbeit­skreisen sam­melten sie Argu­mente für und gegen den Geset­zen­twurf, entwick­el­ten gemein­same Posi­tio­nen und bere­it­eten die weit­eren Beratun­gen vor.

Beson­ders span­nend wurde es in den Auss­chuss­sitzun­gen. Hier trafen die Vertreterin­nen und Vertreter der ver­schiede­nen Frak­tio­nen aufeinan­der und führten eine Exper­te­nan­hörung durch. Dabei kon­nten sie Fach­leute, deren Rollen von den beglei­t­en­den Lehrkräften über­nom­men wur­den, befra­gen und die jew­eili­gen Ein­schätzun­gen in ihre Über­legun­gen ein­beziehen. Schnell zeigte sich, dass poli­tis­che Entschei­dun­gen sel­ten ein­fach sind und unter­schiedliche Inter­essen und Argu­mente sorgfältig gegeneinan­der abge­wogen wer­den müssen.

Nach weit­eren Beratun­gen inner­halb der Frak­tio­nen und der Vor­bere­itung ihrer Rede­beiträge fol­gte schließlich der Höhep­unkt des Tages: die große Ple­narde­bat­te im Sitzungssaal des Säch­sis­chen Land­tags. Am Red­ner­pult ver­trat­en die Jugendlichen ihre Posi­tio­nen, set­zten sich mit Gege­nar­gu­menten auseinan­der und war­ben um Zus­tim­mung für ihre jew­eili­gen Stand­punk­te. Anschließend wurde über den Geset­zen­twurf abges­timmt – mit einem ein­deuti­gen Ergeb­nis: Das Gesetz zur verpflich­t­en­den Ein­führung des Schul­fachs „Prak­tis­che Lebens­führung“ fand keine Mehrheit und wurde abgelehnt.

Doch unab­hängig vom Abstim­mungsergeb­nis war das Plan­spiel eine wertvolle Erfahrung. Die Schü­lerin­nen und Schüler kon­nten unmit­tel­bar erleben, wie par­la­men­tarische Demokratie funk­tion­iert, welche Bedeu­tung Frak­tio­nen und Auss­chüsse haben und warum Diskus­sio­nen, Kom­pro­misse und Mehrheit­sentschei­dun­gen wesentliche Bestandteile demokratis­ch­er Prozesse sind.

Der Besuch im Säch­sis­chen Land­tag machte deut­lich: Demokratie lebt vom Mit­denken, Mitre­den und Mitentschei­den – und lässt sich am besten ver­ste­hen, wenn man sie selb­st erlebt.

Für die Fach­schaft GRW: Maria Moeßn­er